Milchkefir selbst herstellen
Als ich das erste Mal von Milchkefir gehört habe, klang das für mich nach „komplizierter Fermentations-Küche“. In der Praxis ist es aber erstaunlich simpel: Du brauchst Milch, Kefirknollen (die sehen ein bisschen aus wie kleine Blumenkohlröschen) – und ein bisschen Geduld. Der Rest passiert fast von allein.
Du kannst deinen Kefir pur trinken oder auch für Rezepte verwenden – entweder Rezepte, in denen sowieso Kefir vorkommt oder auch in Rezepten in denen Buttermilch oder Joghurt vorkommen. Hier ersetzt du die jeweiligen Zutaten einfach mit deinem Milchkefir.
Was ist Milchkefir eigentlich?
Milchkefir ist ein fermentiertes Milchgetränk. Das bedeutet: In der Milch arbeiten gute Mikroorganismen (vor allem Milchsäurebakterien und Hefen), die in den Kefirknollen leben. Dadurch verändert sich die Milch:
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sie wird dicklicher/cremiger,
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schmeckt mild bis leicht säuerlich,
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und ist manchmal sogar ein kleines bisschen prickelnd.
Ursprünglich sind die Knollen ein aus Russland stammender Knollenpilz Und ganz praktisch: Durch die Fermentation wird ein Teil der Laktose abgebaut, weshalb er für manche Menschen bekömmlicher ist als normale Milch (aber: das ist individuell – gerade bei starker Laktoseintoleranz am besten vorsichtig testen). Das Getränk ist dickflüssiger als die Ausgangsmilch, kohlensäure- und leicht alkoholhaltig (zw. 0,2 – 2%).
Die Knolle selbst vermehrt sich mit der Zeit (bei Raumtemperatur Verdopplung in ca. 14 Tagen). Wenn du den mal keinen neuen Kefir benötigst, dann gib deine Kefirknollen in etwas Milch und parke sie im Kühlschrank. Solltest du deinen Kefir für längere Zeit nicht benötigen, kannst du sie einfach einfrieren oder trocknen.
Milchkefir enthält einige Vitamine (Vitamin A, B1, B2, B6, B12, D, Folsäure, Niacin) und Mineralstoffe (Calcium, Eisen, Iod, Magnesium).
Was du wirklich brauchst (und was nicht)
Für den Start reicht eine Mini-Ausstattung:
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ein sauberes Glas (z. B. 500 ml oder 1 Liter),
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ein Sieb (Kunststoff oder Edelstahl – beides wird genutzt),
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einen Löffel,
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Milch (Kuhmilch funktioniert klassisch am zuverlässigsten),
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und natürlich Kefirknollen.
Mehr nicht. Kein Thermometer, keine Spezialgeräte.
So klappt der erste Ansatz – Schritt für Schritt
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Kefirknollen ins Glas geben (für den Anfang reicht oft 1–2 Esslöffel).
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Mit Milch auffüllen (z. B. 300–500 ml).
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Glas locker abdecken (Tuch/Küchenpapier + Gummi oder Deckel nur lose auflegen).
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Bei Zimmertemperatur stehen lassen – meistens 24 – 48 Stunden.
Nach 24 Stunden ist er noch recht mild, nach 48Stunden deutlich säuerlicher und dicker. Experimentiere da einfach etwas herum. Du wirst schnell merken, was dir besser schmeckt.
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Danach abseihen: Kefir durch das Sieb gießen.
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Die Knollen kommen direkt wieder in frische Milch, du musst und solltest sie nicht mit Wasser abspülen, denn dabei gehen unnötig viele Bakterienkulturen verloren. Und los geht die nächste Runde.
Wie schmeckt Milchkefir – und wie trinkt man ihn am liebsten?
Frisch ist Milchkefir oft leicht säuerlich und cremig. Wenn du dich an den Geschmack herantasten willst, kannst du ihn super „anfängerfreundlich“ machen:
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mit Banane,Beeren oder einer Medjool Dattel mixen,
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mit etwas Honig oder Ahornsirup abrunden,
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oder einfach mit einem Schuss Vanille.
Ich finde: Im Smoothie ist Milchkefir der perfekte Einstieg. Ich mache aber auch super-gern meinen eigenen „Actimel“ damit.
Ein paar Anfänger-Tipps, die mir geholfen haben
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Starte mild: Lieber erst 24 Stunden fermentieren, dann steigern.
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Nicht stressen: Kefir ist erstaunlich robust. Es muss nicht „perfekt“ sein.
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Beobachten statt raten: Konsistenz, Geruch und Geschmack sind deine besten Anzeiger.
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Kühlschrank-Trick: Wenn dir der Kefir fertig ist, kannst du ihn nach dem Abseihen kaltstellen – mir schmeckt er dann noch besser.
Hygiene & „Woran merke ich, dass etwas nicht stimmt?“
Grundsätzlich gilt: Sauber arbeiten (Glas und Sieb gut reinigen, Hände waschen). Und dann: auf die Sinne vertrauen.
Bitte entsorgen, wenn:
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es schimmelt (auch nur ein kleiner Punkt),
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der Geruch faulig/eklig ist (nicht einfach nur „sauer“),
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oder die Optik wirklich ungewöhnlich wird.
„Säuerlich“ und „hefefruchtig“ ist normal – „muffig, faulig oder schimmelig“ nicht.
Die wichtigsten Unterschiede zwischen selbst gemachtem Milchkefir und Milchkefir aus dem Supermarkt:
1) Mikroorganismen: Vielfalt & „Lebendigkeit“
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Selbst gemacht (mit Kefirknollen): Du fermentierst mit einem symbiotischen Verbund aus Milchsäurebakterien und Hefen. Das ist meist vielfältiger und kann „lebendiger“ wirken (mehr Aroma, manchmal feines Prickeln).
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Supermarkt: Viele Produkte werden standardisiert hergestellt. Häufig wird mit definierten Starterkulturen gearbeitet (ähnlich wie Joghurt), nicht unbedingt mit echten Kefirknollen. Manche Produkte sind außerdem wärmebehandelt oder so verarbeitet, dass sie länger haltbar sind – dann sind am Ende weniger aktive Kulturen im Becher (oder sie sind nicht mehr aktiv).
Wichtig: Das ist „typisch“, aber nicht bei jedem Produkt gleich – die Unterschiede stehen oft im Kleingedruckten (z. B. „wärmebehandelt“/„pasteurisiert“).
2) Geschmack & Konsistenz: eher „wild“ vs. sehr konstant
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Selbst gemacht: Geschmack und Säure hängen stark ab von Zeit (12–24 h), Temperatur, Milch, Menge der Knollen. Kann mild-cremig sein – oder deutlich säuerlicher. Oft leicht prickelnd.
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Supermarkt: Meist mild, gleichmäßig, sehr stabil. Kaum Überraschungen.
3) Kohlensäure & minimaler Alkohol
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Selbst gemacht: Durch die Hefen entsteht oft ein bisschen CO₂ (Prickeln) und sehr geringe Mengen Alkohol – normalerweise wenig, aber messbar möglich.
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Supermarkt: In der Regel weniger prickelnd, oft ohne „hefetypischen“ Charakter.
4) Inhaltsstoffe: pur vs. „optimiert“
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Selbst gemacht: Du bestimmst alles: Milch + Knollen. Fertig.
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Supermarkt: Kann Zusätze enthalten, z. B. Stärke/Pektin (für cremige Textur), Zucker/Aromen (bei „mild“/Frucht), teils auch Sahne oder Milchpulver.
5) Verträglichkeit: individuell
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Selbst gemacht: Oft wird mehr Laktose abgebaut, je länger du fermentierst. Manche vertragen den selbstgemachten besser – andere reagieren empfindlicher (z. B. auf mehr Säure oder Hefeanteil).
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Supermarkt: Häufig milder und „sanfter“ – für Einsteiger manchmal leichter.
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